Von der Waldlichtung zum städtischen Friedhof
Die Forstverwaltung legte 1878/79 nahe der Havel eine Begräbnisstätte für unbekannte Tote an. Viele von ihnen waren aus dem Wasser geborgen worden; Menschen, die durch Suizid starben, wurden damals von kirchlichen Friedhöfen häufig abgewiesen. Aus dieser Ausgrenzung entstanden die historischen Beinamen „Friedhof der Namenlosen“ und „Selbstmörderfriedhof“. Sie erklären die Geschichte, sind aber nicht der heutige amtliche Name.
Frühe Spuren
Der älteste erhaltene Registereintrag datiert auf den 22. Januar 1900 und betrifft einen 22-jährigen Schlossergesellen. 1911 entstand eine einfache Backstein-Leichenhalle, die heute nicht mehr vorhanden ist. Gegen Ende des Ersten Weltkriegs wurden hier auch Soldaten, Zivilpersonen und russische Kriegsgefangene bestattet. Fünf große Holzkreuze mit kyrillischen Inschriften erinnern an russische Tote.
Richard Thiemes ummauerte Anlage
Mit Groß-Berlin wurde der Platz 1920 städtisch. Die frühe Sonderfunktion endete 1927. 1928/29 entwarf der Wilmersdorfer Gartendirektor Richard Thieme die feste Mauer und das steinerne Portal mit Eisenflügeln. Seither wurde die nur 4.980 Quadratmeter große Anlage als regulärer Friedhof gepflegt. Heute steht sie als Gartendenkmal unter Schutz.
Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg
Nach 1945 wurden Zivilpersonen, die in den letzten Kriegstagen zunächst provisorisch in Berliner Parks bestattet worden waren, hierher umgebettet. Mehr als 60 Einzelgräber und ein Sammelgrab bewahren diese Erinnerung.
Heutiger Status
Neue Grabstätten werden nicht vergeben; Beisetzungen sind nur bei bestehendem Nutzungsrecht möglich. Der Ort bleibt dennoch ein zugängliches Geschichtszeugnis im Wald. Der Rundgang verbindet die exakt kartierten Punkte, ohne unbekannte historische Positionen zu schätzen.